Hohe See

Ich treibe
Wie eine kleine
Nußschale
In der Weite
Der hohen See

Um mich
Türmen sich
Übermächtig
Wellen
Hilflos-ich-keit

Kleines Boot auf einer großen Welle.

Gleichwohl
Gebe ich mich
Mit scheinbarem
Gleichmut hinein
In den Sturm

Wohl wissend
Dass unnötiges
Rudern
Zwar Schaum
Mich aber nicht
Raus bringt
Aus diesem
Albtraum

Kein Aufgeben
Sondern Aufschauen
Lass den Blick
Schweifen
Den nächsten
Silberstreif greifen

© Hannes Hartl, 03. & 04. Dezember 2018

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Vom Licht gemalt

Alles das
Was wir sehen
Wurde uns
Ganz vergänglich
Und zart
Vom Licht
Ins Auge
Gemalt

Foto einer Straße mit Weihnachtsbeleuchtung.

© Hannes Hartl, 02. Dezember 2019

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Abschied

Eine kleine Elfengeschichte inspiriert von dem schönen Beitrag von Puzzleblume: Wohin verschwinden Elfen im Herbst? und den tollen Kommentaren zu diesem Beitrag.

Roruan sah sie traurig an.

„Musst du wirklich schon los?“

Mawuina drückte den schlacksigen Elf noch einmal fest an sich. Etwas zu fest, dachte sich Roruan, aber er liebte die Geborgenheit ihrer starken Arme.

„Ach Ro, du weißt doch, dass der Winter schon anklopft und es Zeit wird, gen Süden zu ziehen.“

Der junge Elf schaute in die Ferne.

„Ja, ich weiß. Ihr Wanderelfen vertragt den Winter nicht.“

Lachend fuhr er fort:

„Ein seltsames Volk seid ihr. Den Winter nicht mögen. Tses.“

Mawuina lachte nun ebenfalls.

„Ach, und ihr Winterelfen seid besser? Noch nichts von der Welt gesehen aber große Töne spucken.“

Roruan breitete die Arme aus, während er sich schwebend um sich selbst drehte.

„Du weißt doch gar nicht, wie schön es ist zusammen mit den Schneeflocken zu tanzen. Herrlich.“

„Du Träumer. Du kannst mir ja von deinen tollen Tänzen erzählen, wenn ich zurück bin. Ich werde so lange durchs Steppengras sausen und mich in der Wärme räkeln.“

Die Elfin gab ihm einen zärtlichen Stupser auf die Nase und wollte schon aufbrechen, da zog er sie an sich und gab ihr einen Kuss.

„Du glaubst doch nicht, ich lass dich einfach so ziehen.“

Jetzt küsste sie ihn grinsend zurück.
Von der Ferne näherte sich ein anderer Elf.

„Mawuina! Mawuina, kommst du?“

Roruan winkte Mawuinas Bruder zu.

„Hi Towuin!“

Towuin flog heran aber ignorierte Roruans Begrüßung.

„Wir sind alle abflugbereit. Alle außer dir und Sawuin natürlich.“

Mawuina seufzte.

„Schon gut, Bruderherz. Ich bin unterwegs.“

Roruan schüttelte den Kopf, während Towuin wieder zu seiner Familie flog.

„Ob er es je akzeptieren kann, dass wir zusammen sind?“

„Ach Ro, der ist einfach eifersüchtig, dass du so viel Zeit mit seiner Lieblingsschwester verbringst. Er wird sich schon daran gewöhnen.“

Noch einmal drückte Mawuina ihn fest an sich.

„Schade, dass Kejuani nicht da sein kann.“

Roruan nickte.

„Ich richte ihr Grüße aus.“

„Ach, du mein Schatz! So lange sind wir ja zum Glück gar nicht getrennt.“

Sie gab ihm einen zärtlichen Kuss auf die Nase, dann schwang sie sich in die Luft.

Als Roruan ihr zum Abschied winkte, bemerkte er, dass seine Haut am Arm sich verfärbt hatte. Die warmen Farben des Sommers wichen langsam dem klitzernd weißen Winterkleid.

Er lächelte. Dann war es wohl wirklich Zeit für die Wanderelfen loszuziehen. Er sah Mawuina und ihrer Familie noch eine Weile nach und seufzte, halb glücklich, halb wehmütig.

„Bis bald, Mawuina, Feuertochter des Windes.“

Dann machte er sich auf die Suche nach Kejuani, der Waldelfin, um ihr von Mawuinas Abschied zu berichten.

Zwei Elfen.

© Hannes Hartl, 02. & 03. Dezember 2019

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Spruch #006

Wer eine große
Innere Haltung hat
Muss nicht über sich
Hinauswachsen
Um Größe zu zeigen.

Aquarell von Stadthäusern in Paris.

© Hannes Hartl, 14. November 2019

An dem Bild arbeite ich übrigens schon länger. So sahen die Vorzeichnung und das Vorlagenfoto aus:

Vorzeichnung und Fotovorlage für ein Aquarell.

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Im Kerzenschein

Bei all der Dunkelheit
Des Winters
Tauchen wir gerne
Die Welt
Für ein paar Momente
In Kerzenschein

So wird nur
Das erhellt
Und fokussiert
Was uns
Nahe steht
Was uns gerade
Wichtig scheint

Brennende Kerzen.

Der Blick ins
Ruhige Flackern
Gibt uns
Die Möglichkeit
Gedanken zu verlieren
Und nur
Die guten
Wieder einzusammeln

© Hannes Hartl, 25. November 2019

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Spruch #005

Im Leben gibt es keine richtigen Abkürzungen. Aber jeder Weg hat seine eigenen Aussichten.

Erleuchtetes Gebäude am frühen Morgen.

© Hannes Hartl, 25. November 2019

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Nachhall

Deine Worte
Hallen in mir nach
Prallen ab
Von den Wänden
Prallen ab
Prallen ab
Prallen ab

Da ist nichts
Was sie
Schlucken könnte
Sie wollen mir
Nicht eigen werden

Darum frage ich dich
Nach dem Sinn
Nach dem wahren
Klang
Deiner Worte

Bis sie endlich
Ruhe
In mir finden
Frieden
In mir finden
Und aushallen
Können

© Hannes Hartl, 18. u. 19. November 2019

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Astleuchten

Stilles Leuchten
In herbstlicher Nacht
Wie kleine Lämpchen
An einem Ast

Das späte Leuchten
In voller Pracht
Lässt dich bald ächzen
Durch eisige Last

Baum mit gelbem Herbstlaub, das in der Nacht von einer Straßenlaterne beleuchtet wird.

Wirf ab dieses Leuchten
Gib auf dich acht
Schon naht, liebes Bäumchen
Der Winter mit Hast

© Hannes Hartl, 15. November 2019

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Unbegrenzbar

Du kennst keine Grenze
Hast es nie gelernt
Du ignorierst komplett
Die Bedürfnisse Anderer
Die Bedürfnisse deiner Selbst

Jung bist du
Doch alt siehst du aus
Kommst du bei
Deinem eigenen Tempo
Überhaupt noch mit?

Durchbrochene Ziegelmauer.

© Hannes Hartl, 12. – 14. November

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In deinem Schatten

Der filigranen Schatten
Deiner mächtigen Gestalt
Deines erhabenen Wesens
Lässt mich schon
Am Morgen strahlen

Völlig in dir ruhend
Erzählst du jedem
Der danach fragt
Der zuhören will
Einen Teil
Deiner Geschichte

Baum im Halbdunkel mit dem Text des Gedichts überlagert.

© Hannes Hartl, 12. November 2019

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