Archiv der Kategorie: Philosophie

Ventile zu?

Die Welt ist so voll von Sichtbarem, Schmeckbarem und Fühlbarem. Wir sammeln täglich so viele Informationen. Diese wecken meist Erinnerungen in uns, regen oft unsere Fantasie an und sind in der Regel mit Emotionen verknüpft.

Kein Wunder also, dass wir versuchen, die auf uns einströmenden Informationen zu kategorisieren und zu ordnen. Ständig sind wir gezwungen, zu filtern und zu reduzieren. Besonders dann, wenn wir uns auf ganz bestimmte Aspekte konzentrieren müssen, blenden wir viele Kanäle aus.

Dann dürfen wir uns aber nicht wundern, wenn die Welt grau und monoton wirkt, sollten wir vergessen haben, nach getaner Arbeit die Kanäle wieder zu öffnen.

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Die Sterne

Die Sterne leuchten solange sie sind. Sie leuchten, weil sie so beschaffen sind, dass sie leuchten. Wir erkennen wohl die Ursache für ihr Leuchten. Nicht aber den Grund.

Leuchtende Sterne, animiertDie Sterne leuchten nicht für uns. Und doch bietet ihr Leuchten uns Orientierung, spendet uns Licht in der Nacht und erfreut unser Herz, weil wir daran Anteil haben dürfen.

Erwarten können wir nicht, dass sie leuchten. Auch, wenn die Sterne jeden Tag und jede Nacht leuchten – egal, ob es jemand sieht oder nicht. Als wäre es selbstverständlich, dass sie leuchten.

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Der Grubenarbeiter und die Monster

Philosophisches zu Minecraft

Lange Zeit habe ich mich nicht großartig mit dem Spiel Minecraft beschäftigt. Die wahre Magie des Spiels hatte sich mir lange verschlossen. Jetzt tauche aber doch so langsam ein und beginne zu verstehen, was die Anziehungskraft von Minecraft ausmacht: Minecraft ist ein durch und durch philosophisches Spiel, ohne abgehoben zu wirken.

Schöpfungslust

Ein Bauprojekt in Minecraft

Seit wir als kleine Kinder anfingen die Welt zu begreifen, erfuhren wir auch den Zauber unserer Schöpfungskraft. Was ist das für ein Wunder: Wir landen in einer Welt voller Überraschungen. Eine Welt, in welcher wir auch noch selbst etwas erschaffen können, was zuvor nicht existierte. Die Erde in unseren Händen lässt sich zu wunderbaren Figuren formen. Die nächste Stufe der Schöpfungslust erreichen wir, wenn wir so etwas wie Bausteine in die Finger bekommen. Wir setzen einen Stein auf den anderen und erleben, wie sie plötzlich beide ihre Teilhaftigkeit verlieren und zu einem neuen Ganzen verschmelzen. Und wir erhalten die Macht, unsere Gebilde nicht nur aufzubauen, sondern auch nach Belieben einzureißen. Minecraft ist eine ganze Welt aus Klötzchen. Für große Kinder.

Grundängste

Eine Monsterfalle mit Spawner in Minecraft

Doch Minecraft ist mehr als digitales Lego. Zumal es dafür bessere Lösungen gibt. Minecraft konfrontiert uns auf eine ganz spezielle Weise mit unseren Ängsten und Grundbedürfnissen. Zumindest im Survival-Mode. Man landet zunächst in einer feindlichen Welt. Feindlich? Sieht doch alles ganz nett aus. Tja solange es hell ist zumindest. Denn in der Nacht kommen die Monster. Ja, die Angst vor der Dunkelheit – in Minecraft ist sie wichtig fürs virtuelle Überleben.

Die ersten eigenen vier WändeScreenshot einer Wohnung in Minecraft

Also muss schnellstmöglich eine erste Bleibe gefunden werden – möglichst unzugänglich für Monster. Und man braucht Licht, denn das hindert die Monster daran, unerwartet aufzutauchen. Sie treten nur an dunklen Ecken in die Minecraft-Welten und das Sonnenlicht bekommt ihnen nicht so gut. Zumindest den meisten nicht. Und schon ist man mittendrin in der Spirale. Denn für Licht braucht man Fackeln und für Fackeln braucht man Kohle und Holzstäbe und. Selbst wenn man gerade nichts im Kopf hat, was man hier und da nettes bauen könnte ist man immer auf der Suche nach Rohstoffen und Nahrung. Minecraft wirft uns zurück auf eine Stufe, auf welcher uns ein bisschen wie unsere Vorväter fühlen dürfen. Wir im Kampf mit den Elementen.

Lösemittel?

Aha, Minecraft löst also Probleme, die man ohne Minecraft nicht hätte? Ja, das wirkt erst einmalmal seltsam. Gibt es ja im Real-Life genug anzupacken. Doch Minecraft hat einen großen Vorteil gegenüber dem echten Leben: Es reduziert die Komplexität der Dinge auf ein überschaubares Maß. Eine Welt aus Würfeln – Quader, praktisch gut. Es gibt relativ wenige, dafür sehr feste Regeln, nach denen die Welt funktioniert. Diese findet man schnell durch Ausprobieren heraus. Oder man spickt bei anderen. So bekommt man so ziemlich jedes Problem einfach in den Griff. Zur Not schaltet man einfach für eine Weile die Schwierigkeitsstufe herunter, sodass einen die Monster nicht mehr piesacken können. Minecraft – die heile Welt als digitaler Rückzugsort? Wie gute Bücher, Filme und andere Kunstwerke bietet sich Minecraft natürlich auch zur Realitätsflucht an. Schließlich verleiht Minecraft dem Spieler nicht nur eine Fülle an kreativen Möglichkeiten, sondern liefert im Multiplayer-Mode auch soziale Kontakte gleich mit. Wie sooft gilt es, das richtige Maß zu finden.

Die großen Fragen

Screenshot eines Creepers in Minecraft

Minecraft vereint jedoch nicht nur Schöpfungslust und menschliche Grundängste, sondern stellt auch die großen Fragen des menschlichen Seins. Was für einen Sinn findet man in dieser Welt? Welche Ziele verfolge ich und warum? Andere Spiele haben hierfür feste Antworten parat. In Minecraft bleibt es dem Spieler selbst überlassen. Die simpelste Antwort mag lauten: Ich bin im Spiel, also spiele ich. Ich baue das jetzt und hier. Weil ich es kann.  

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Die programmierte Krise

Ein Blick auf Georg Simmels „Philosophie des Geldes“ durch die Brille einer westlichen Gegenwart.

Es bedarf keines Abschlusses in Wirtschaftswissenschaften, um zu verstehen, warum sich die Finanzwelt ein weiteres Mal in der Krise befindet. In welcher Weise die Krise schon in der Konzeption des Geldes eingeschrieben ist, zeigt sich in Simmels Geldtauschtheorie, welche 1900 zum ersten Mal erschien.

Der Ausgangspunkt ist bei Simmel die Trennung von Subjekt und Objekt. Weil wir fähig sind, uns selbst als Subjekt, vor allem aber auch zugleich als Objekt unseres Denkens zu begreifen, können wir auch in eine Beziehung zu den Gegenständen und anderen Menschen treten. So entwickeln wir auch die Fähigkeit, Distanz zu dem zu erfahren, was uns nicht eigen ist. Diese Distanz wollen wir allerdings, mal mehr – mal weniger, in einigen Fällen überwinden. Völlig einleuchtend ist dies in Bezug auf Nahrungsmittel. Das gebackene Brot tritt uns zunächst als Gegenstand gegenüber, den wir, aufgrund seiner Potenz, unseren Hunger stillen zu können, erlangen wollen. Wir nehmen den Gegenstand an uns und in uns auf; wir verleiben ihn uns ein. Dabei wird der Gegenstand natürlich als solcher vernichtet. Wie sehr wir die Distanz zu einem Gegenstand überwinden wollen zeigt, wie sehr wir ihn begehren. Davon abhängig ist auch der Wert, den wir dem Gegenstand zuschreiben. Denn durch eine größere Distanz, die zu überbrücken ist; durch das größere Opfer, das wir erbringen müssen, schreiben wir dem Gegenstand einen größeren Wert zu. Natürlich nur unter der Voraussetzung, dass wir den Gegenstand begehren und er uns prinzipiell erreichbar ist. Der Wert eines Gegenstandes ist also für Simmel subjektiv erzeugt und somit auch relativ. Ein Gegenstand kann für verschiedene Menschen und in unterschiedlichen Situationen einen jeweils anderen Wert erhalten. Der Wert eines Gegenstandes ist in diesem Sinne auch nicht eine Eigenschaft, die der Gegenstand schon immer besitzt. Außerdem verliert der konkrete Gegenstand seinen Wert durch seine Vernichtung, auch wenn wir weiterhin der Existenz von Broten an sich einen Wert zuschreiben.
Es ist nun die Frage, wie der Wert mit dem Geld in Verbindung steht. Simmel beantwortet diese Frage, indem er zunächst vom einfachen Tausch ausgeht. Zwei Menschen kommen zusammen und bieten sich Waren zum Tausch an. Sie einigen sich im Idealfall dann, wenn für beide der Tausch einen Gewinn darstellt. Jeder gibt etwas und erhält dafür etwas, was ihm begehrenswerter erscheint, als das Hergegebene. Damit besteht eine gewisse Äquivalenz des Tausches. Raub oder Geschenk hingegen widersprechen der Logik des Tausches, da sie eine Einseitigkeit voraussetzen. Durch den Tausch stehen die Menschen aber in einer Beziehung der Wechselwirkung. Ebenso geschieht dies mit den Gütern beziehungsweise mit den ihnen jeweils zugeschriebenen Werten, welche durch das Tauschvorhaben miteinander verglichen werden. Das Geld tritt nun erst einmal als Drittes hinzu, das den Tausch in einer sich ausdifferenzierenden Gesellschaft erleichtert und am Leben erhält. Die Vorteile liegen klar auf der Hand. Geld ist beliebig teilbar und kann wie ein Kommunikationsmittel des Tausches fungieren. So ist es möglich, mit vielen verschieden Menschen in Tauschbeziehung zu stehen, ohne dass jedes Mal auf beiden Seiten Waren herangeschafft werden müssen. Zudem kann es als Maß für den Wert eines Gegenstandes in Relation zu den anderen Gegenständen eingesetzt werden. Anders gesagt, der Preis eines Gegenstandes drückt aus, welchen Wert wir ihm im System der Gegenstände zukommen lassen. Dabei spielen ohne Zweifel die Gesetzmäßigkeiten von Angebot und Nachfrage eine Rolle. Warum nun aber ein Brot, das für unser Überleben essenziell wichtig ist und daher im Grunde einen enorm hohen Wert für uns haben sollte, im Vergleich etwa zu einem Mobiltelefon einen sehr geringen Preis hat, kann erst nach einigen weiteren Überlegungen vollständig geklärt werden, schließlich können auch Mobiltelefone zu geringen Kosten und in hoher Stückzahl produziert werden und die Nachfrage ist beim Brot im Grunde höher, da der Verbrauch des Brotes viel schneller erfolgt, als beim Mobiltelefon.
Denn nun folgt der erste Knackpunkt in der Konzeption des Geldes. Dafür schwenkt Simmel kurz in die Geschichte der Zahlungsmittel. Anfangs konnte ein Gegenstand, welcher selbst als wertvoll galt, so wie Gold oder Muscheln, zum Zahlungsmittel werden, weil es von allen Marktteilnehmern als wertvoll anerkannt wurde. Denn in dem kollektiv erzeugten Wert, welchen die Trägersubstanz also mit sich führt, liegt die Versicherung, dass ich, wenn ich im Besitz dieser Substanz bin, immer dafür etwas bekommen kann. Nun ist jedoch eine Entwicklung ins Laufen gekommen. Das Problem mit dem sogenannten Substanzgeld ist ja, dass es an eine Substanz gebunden ist, welche selbst wertvoll ist. Wenn nun aber die Substanz zu wertvoll ist, läuft das Geldsystem Gefahr aus den Fugen zu geraten, denn man bekäme ja für die reine Substanz mehr, als für das Geld. Des Weiteren ist eine wertvolle Substanz ja auch nur begrenzt verfügbar und wird nicht nur für als Zahlungsmittel verwendet. Daher verlor das Geld mit der Zeit an Substanzwert. Beispielsweise ist Papier selbst weniger wertvoll als Silber oder Gold und somit auch Papiergeld leichter zu vervielfältigen. Dies ist in einer wachsenden Gesellschaft und Wirtschaft von großer Bedeutung.
Was sich mit diesem materiell sichtbaren Wandel allerdings mitvollzog, war ein bis heute fortschreitender Prozess: Das Geld wird vom Substanzgeld zum Funktionsgeld, was eine zunehmende Abstraktion bedeutet. Das heißt aber auch, dass sich etwas in der Konzeption des Geldes verschiebt. Einerseits verliert das Zahlungsmittel mit der Substanz auch seine spezifischen Eigenschaften. Es wird für Simmel charakterlos. Ein reines Mittel zum objektiven Vergleich der Werte. Es ist für die wirtschaftlichen Beziehungen egal, woher das Geld kommt, welche Ware eigentlich dahintersteht. Und auch auf die Gegenstände wirkt dies sich aus: Wenn der Preis eines Gegenstandes erst einmal bestimmt wurde, kommt es nicht mehr so sehr auf dessen Qualitäten an, sonder es geht um die Quantität. Welche Menge kann ich für welche Menge Geld bekommen? Andererseits gilt auch das Versprechen nicht mehr, welches in der Substanz innewohnte. Mit dem Plastik einer Kreditkarte lässt sich kaum etwas kaufen. Selbst das Metall des Chips würde nicht für große Anschaffungen genügen. Beim Onlinebanking wird es schon schwer, überhaupt noch etwas Materielles zu finden. Dies hat jedoch zur Folge, dass die Garantie, welche das Geldsystem überhaupt funktionieren lässt, dass ich für mein Geld etwas bekomme und das der Wert des Geldes möglichst stabil bleibt, von einer anderen Seite kommen muss. Bei Simmel und in der Realität kommt sie von denStaaten, genauer von den Nationalbanken, da die Staaten ein Interesse daran haben, dass das Finanzsystem funktioniert. Ansonsten verlieren sie ihre Handlungsfähigkeit. Für Simmel ist diese dem funktionalen Geldsystem eingeschriebene Selbsttäuschung bis zu einem gewissen Grad notwendig aber auch nur begrenzt möglich. Für ihn war eine völlige Funktionalisierung des Geldes; eine völlige Loslösung von einer Substanz undenkbar. Die Geldmenge darf nicht ins Unendliche gehen können. Wir haben es trotzdem gemacht. Die letzte Absicherung, die unserem Finanzsystem bleibt, ist das Vertrauen in die Währung. Was passiert, wenn dieses verloren geht, das zeigt sich aktuell in der andauernden Finanzkrise.
Warum haben wir das gemacht? Das findet seine Antwort in einem weiteren Punkt der Geldkonzeption. Das Geld ist nämlich nicht mehr nur Mittel zum Zweck, sondern wird auch selbst zum Zweck. Das liegt für Simmel größtenteils an der Entwicklung der Gesellschaft, welche immer vielteiliger wird. Dies erhöht die Reihe der Zwecke beziehungsweise der Mittel zum obersten Zweck. So muss ich aufgrund der arbeitsteiligen Gesellschaft nicht mehr selbst das Brot backen. Das macht es mir leichter, andere Aufgaben zu erfüllen. Allerdings brauche ich Geld, um mir Brot zu kaufen. Um Geld zu haben, muss ich in der Regel arbeiten. Um arbeiten zu können, brauche ich Bildung. Um mich bilden zu können, brauche ich wiederum Geld und jemanden, der mir Bildung zugänglich macht. Auch um zur Arbeit zu kommen brauche ich Geld und jemanden, der mir eine Verkehrsinfrastruktur bereitstellt usw. Geld wird also in allen Situationen direkt oder indirekt zum Mittel und durch diese Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten wird es auch selbst zum Zweck. Denn Geld zu besitzen eröffnet immer unzählige Möglichkeiten, die alle wiederum erstrebenswert sein können. Somit wird der Besitz von Geld selbst erstrebenswert oder um zum Anfang zurückzukommen: Wir stehen in Distanz zum Geld, wollen sie aufgrund unseres Begehrens überwinden und schreiben dadurch dem Geld selbst einen Wert zu.
Geld wird zum Spiegelbild der modernen Gesellschaft. Auf der einen Seite fördert es die Arbeitsteilung und die damit auch eine neue Form der Bindung in der Gesellschaft* und andererseits die Atomisierung der Gesellschaft in eine Vielzahl von Teilen, welche nicht mehr so stark miteinander verbunden sind. Es ermöglicht zum einen höhere Individualisierung und größere Möglichkeiten des Einzelnen, sich von anderen unabhängig zu machen, sich davon loszukaufen, was für Simmel einer größeren persönlichen Freiheit gleichkommt. Gleichzeitig verlieren wir zunehmend etwa wir die enge Bindung zu unserem Handelspartner und sind wir aber immer mehr vom Funktionieren des Systems abhängig. Zwar ermöglicht uns die hochindustrielle Welt es, Autos zu fahren, die etwa den Abstand zum vor uns fahrenden Fahrzeug messen und entsprechende Notfallprogramme aktivieren können, doch wenn etwas streikt, hilft auch der berühmte Damenstrumpf nicht mehr. Den Werkstattarbeiter kennen wir meist nicht und das Geld für die Rechnung überweisen wir elektronisch, ohne Kontakt zu irgendwem. Weiterhin wurde unsere Gesellschaft scheinbar immer rationaler und zugleich in seiner Rationalität irrational, wie die leidvolle Erfahrung zweier Weltkriege und des unglaublichen Schreckens des Holocausts gezeigt hat. Geld ist ebenfalls Ausdruck der Rationalität in Form von Effizienz wirtschaftlicher Abläufe und der damit verbundenen Produktivitätssteigerung. Diese ist für Simmel wichtig für die Weiterentwicklung der Wirtschaft aber ebenso für die Gesellschaft, welche sich durch eine wachsende Ökonomie selbst funktional anpassen und erweitern kann. So ist für ihn der Fortschritt der (Geld-)Wirtschaft nur der sich immer weiter steigender Prozess immer besserer Ausbeutung und Verarbeitung der Ressourcen. Globale Rohstoffknappheit und die Risiken, welche sich aus den Nebenfolgen einer ausgebeuteten Natur ergeben, waren für ihn nicht vorstellbar und noch heute findet man ja bei Vielen eine ungetrübte Fortschrittseuphorie.
Nimmt man dies alles zusammen, findet man die vorher gesuchten Erklärungen. Weil uns unser tägliches Brot alltäglich, selbstverständlich geworden ist, weil wir die Distanz zu seinem Erwerb vermindert habe, obwohl seine Produktion weiter von uns weggerückt ist, messen wir dem Brot einen geringeren Wert zu. Das ist zugleich Fluch und Segen. Der Fluch liegt in der geringeren Wertschätzung und der erhöhten Akzeptanz für geringere Qualität zusammen mit der Unmündigkeit in Bezug auf die Ethik der Herstellung. Der Segen liegt darin, dass es uns zumindest in der (post-)industriellen Gesellschaft gelungen ist, dem Hunger zu entfliehen**. Das Mobiltelefon hingegen ist uns so wertvoll geworden, weil es unserer individuellen Freiheit im wahrsten Sinne des Wortes Gehör verschafft. Hier wird der Besitz von Geld zur Möglichkeit, einen eigenen Lebensstil zu gestalten und sich Zugang zu vielen verschiedenen Gruppen in der Gesellschaft zu verschaffen. Es zeigt sich jedoch ebenfalls, wie das Geld, trotz seiner Eigenschaftslosigkeit und der Fähigkeit, Tauschäquivalenz herzustellen, bereits bestehende soziale Ungleichheit noch verschärft. Denn was es auch Simmel sagt ist, dass so die Konzentration von Geld auch eine Konzentration von Macht durch die Erhöhung der Handlungspotenziale bewirkt. Wer weniger hat, hat auch weniger Möglichkeiten, sich Freiheit zu erzeugen. Andersherum ist die Ungleichheit aber auch Voraussetzung für das Funktionieren des Systems, da ohne das erhöhte Handlungspotenzial auch keine Entwicklung stiftenden Investitionen möglich sind.Das Gute bedingt das Schlechte und das Schlechte das Gute. Das Yin braucht das Yang – eines der zentralen Prinzipien des Lebens.
Die Verstrickung des Geldes mit allen Spähren der Welt, seine Zweckwerdung, ist schließlich auch der Antrieb für unseren fatalen Umgang mit dem Finanzsystem selbst. Wenn wir nämlich Geld zum obersten Zweck machen, der nicht mehr das Glückseligkeitsstreben oder ein Streben nach Vollkommenheit (wenn man will in Gott) neben sich zulässt, dann bestimmt Geld auch unser vernünftiges Denken, unsere Rationalität. Dann ist Gier rational und kann auch mit, in diesem Sinne, rational geschriebenen Computerprogrammen betrieben werden. Die einzige Frage, die schließlich offenbleibt, ist jene nach dem, wie es weitergehen soll.

Anmerkungen:
*Vgl. auch Durkheim
**Dass nun Andere für uns hungern müssen, liegt allerdings wiederum an der oben beschriebenen Unmündigkeit in Bezug auf die Ethik des Herstellungsprozesses.

Literatur:
-Simmel, Georg: Philosphie des Geldes, Suhrkamp, Frankfurt a. M.: 1989 (zuerst 1900).
-Rammstett, Otthein (Hg.): Georg Simmels Philosphie des Geldes. Aufsätze und Materialien, Suhrkamp, Frankfurt: Frankfurt a.M.: 2003.
-Beck, Ulrich: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne, Suhrkamp: Frankfurt a. M.: 1986.
-Durkheim, Emile: Über die Teilung der sozialen Arbeit. Dt. von Ludwig Schmidts. Suhrkamp, Frankfurt a.M.: 1977.

 

 

 

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Seinserkenntnis

Folgendes haben schon viele erkannt und geäußert. Ich bin nicht der Urheber der Sache selbst, denn die Sache war schon in mir. Ich musste sie nur für mich hervorheben:

(1) Da ich weiß und erkannt habe, dass ich bin, kann ich sagen: Wenn ich die Dinge sehe, erkenne ich, dass das Sein ist und so weiß ich, es gibt kein Nichts.
(2) Denn entweder gibt es etwas oder es gibt nichts.
(3) Wenn es aber nun etwas gibt, und das Nichts nicht, dann ist das Sein ganz und vollkommen, denn da ist kein Etwas außer dem Sein.
(4) Ganz, das heißt doch, dass es ein Einziges ist und nicht zusammengesetzt aus Vielem. Es kann aber keine mehreren Sein geben neben dem Sein, die nicht im einen Sein aufgehen, denn was würde sie vom einen Sein unterscheiden? Also ist das Sein ganz.
(5) Vollkommen heißt doch, dass dem Sein kein Etwas mehr hinzu oder weggetan werden kann. Wenn, kein Etwas ist außer dem einen Sein, kann kein Etwas dem Sein hinzukommen oder weggetan werden. Also ist das Sein ganz und vollkommen.
(6) Und wenn das Sein ganz und vollkommen ist, dann ist es auch ewig und unendlich. Denn was soll denn vor oder nach ihm, was mehr oder weniger sein, außer dem Sein selbst, wenn es doch nicht zusammengesetzt ist und wenn es doch kein Etwas ist, dem etwas hinzukommt?
(7) Wenn aber vor und nach dem Sein kein Etwas ist, so ist es nicht in der Kategorie Zeit zu denken und die Zeit ist im Sein.
(8) Und wenn kein Etwas mehr oder weniger sein kann als das Sein, dann ist das Sein nicht in der Kategorie Raum zu denken und der Raum ist im Sein.
(9) Wenn aber ein Etwas vor der Zeit ist, dann kann es „ewig“ heißen, und wenn ein Etwas vor dem Raum ist, dann kann es „unendlich“ heißen. Das Sein ist also ganz, vollkommen, ewig und unendlich.
(10) Da das Sein also ganz, vollkommen, ewig und unendlich ist, so kann ich es nicht in seinem Wesen, seiner Essenz, erkennen.
(11) Denn ich bin nicht, was man vom Sein aussagt. Ich bin weder ganz noch vollkommen, nicht ewig oder unendlich.
(12) Ich habe nur eine Beziehung, eine Verbindung zur Ganzheit, zur Vollkommenheit, zu Ewigkeit und zu Unendlichkeit. Denn ich habe Anteil am Sein, so wie die Dinge, die ich sehe, Anteil daran haben.
(13) Da ich selbst also dinglich bin, kann ich das Sein nur an den Dingen erkennen, wie gut oder schlecht sie auch sind.
(14) Dennoch weiß ich um die Ganzheit, Vollkommenheit, Ewigkeit und Unendlichkeit des Seins. Diese Erkenntnis ist zugleich Quelle des Wissens über die Erhabenheit als auch über die Nichtigkeit des eigenen Daseins.
(15) Was kann ich mehr wissen?

Anmerkung:
Wer dem Sein einen anderen Namen geben will, der kann es „Gott“ nennen, denn das, was wir gewöhnlich mit „Gott“ bezeichnen ist doch kein anderes Etwas als das Sein. Denn wer dies verneint, der verneint auch, das Gott ist. Das sei jedem freigestellt, denn es ist eine Sache des Glaubens. Das Sein aber können wir schlechterdings verneinen.

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