Schlagwort-Archive: Zufall

Vom Leben gezeichnet

Linien und Flächen
Von Meister Leben
Auf die Leinwand
Des Zufalls geworfen

Gesicht auf grauem Hintergrund.

Ist es unser Blick
Der aus
Linien und Flächen
Ein Kunstwerk macht?
Sehen wir es hinein?

Denn was einer
Als Kunstwerk sieht
Ist vielleicht
Nur Schmutz
Auf einem Eimer

Mülleimer mit Schmutzfleck.

Doch die Schönheit
Ist auch ohne uns
Schon in der Welt
Ob wir hinsehen
Oder nicht

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Ereignisse

Seine Augen strahlten vor Vaterstolz, als Franz das Bündel in seinen Armen, in das seine frischgeborene Tochter eingewickelt war, betrachtete.
„Unglaublich, was für ein Zufall dazu geführt hat, dass es dich jetzt gibt. Wenn damals mein Bus nicht ausgefallen wäre, hätten deine Mutter und ich uns vielleicht niemals kennengelernt.“
Franz ging hinüber zu seiner erschöpft lächelnden Frau und strich ihr durchs Haar.
Sie antwortete:
„Es gibt keine Zufälle, Schatz.“
„Vielleicht nicht, wer weiß das schon. Aber Wunder gibt es. Schau sie dir an, dieses kleine Wunder!“

~

Stina legte zufrieden die Beine hoch, strich sich ein paar Holzspäne aus dem Gesicht und betrachtete ihr Tageswerk. Gerade als sie einen Schluck aus ihrer Teetasse nehmen wollte klingelte es an der Tür ihrer Werkstatt.
Sie stand auf und öffnete die Tür.
„Oh, hi, Ben. So spät noch unterwegs?“
Ben grinste verschmitzt.
„Ja, musste Überstunden im Büro machen und hab mir auf dem Heimweg gedacht, ich schau mal bei dir vorbei. Und da noch Licht brannte…“
„Ja, schön! Komm rein. Magst du auch nen Tee?“
Ben nickte und betrat die kleine, vollgestopfte Werkstatt.
„Mit Zucker, bitte.“
Stina verschwand in ihrem kleinen Kücheneck. Ben ging ehrfürchtig vor dem Tisch in die Knie, den Stina den ganzen Tag bearbeitet hatte.
„Mit den Beinen hast du dich mal wieder selbst übertroffen! Das kann vermutlich außer dir kaum noch jemand.“
„Danke. Ich bin echt froh über solche Aufträge. Ist mal was Anderes.“
Stina brachte Ben die Tasse und die Zuckerbox.
„Danke. Hach ja, Stinas gute, alte Teemischung namens Earl Grey“
Sie lachten. Während er sich eine ordentliche Portion Zucker in den Tee kippte fragte Ben:
„Und du hast die Entscheidung nie bereut?“
Stina zeigte im Raum herum.
„Das alles? Nein. Ja, es ist manchmal haarig mit dem Geld. Und ich bin manchmal total fertig. Aber stell dir nur mal vor, der Unfall wäre damals nie passiert. Ich würde vermutlich noch immer mit dem Bus durch die Gegend hetzen und mich von genervten Fahrgästen beschimpfen lassen. Das hier macht mich glücklich.“

~

Wieder eine Flasche leer. Mit bleischweren Lidern starrte Jost auf das Paket auf dem Tisch. Mit ungelenken Bewegungen versuchte er die leere Bierflasche nach dem Paket zu werfen. Statt das Paket zu treffen schlug die Flasche nur dumpf auf der hölzernen Tischplatte auf, rollte über die Kante und zerbarst am Boden.
„Mit dir hat alles angefangen.“, knurrte Jost in Richtung des Pakets.
Aus dem Nebenzimmer kam Andy, Josts Sohn, geeilt.
„Was machst du denn, Pa? Hast du dich verletzt?“
Andy schob Josts Rollstuhl vom Tisch weg.
„Nein. Und wenn schon. Was würde das noch ändern?“
Andy holte einen kleinen Besen und eine kleine Schaufel.
„Ja, Pa. Das haben wir jetzt ja schon oft genug besprochen. Hättest du das Paket am Abend vorher abgeholt, hättest du dich morgens nicht hetzen müssen und hättest den Bus nicht übersehen. Aber bedenke mal, dass du dann vielleicht nie erfahren hättest, dass Melina wieder in der Stadt ist. Sie hat dir übrigens eine Nachricht geschickt.“
In Josts müden Augen flammte der Hauch von Freude auf und ein gedankenvolles Lächeln huschte über sein Gesicht.
„Was schreibt meine gute Melina?“
„Sie ist heute Oma geworden, eine Enkelin hat sie bekommen.“

Paket.

© Hannes Hartl, 20./21. November 2018

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Domino

Dieser Beitrag wurde angekurbelt von Tete. ;)

Unser Leben erscheint mir
Wie ein rießiger Dominio-Day
Der noch aufgebaut wird
Während die Steine
Schon fallen

Eine kleine Entscheidung
Kann eine Kette
Erstaunlichster Reaktionen
Anstoßen

Andere Linien unseres Lebens
Verlaufen ins Leere
Oder stoppen abrupt
Auf halber Strecke

Einerseits wirkt es
Als sei alles
Ein großes Durcheinander
Das niemand überblickt

Dann aber
Hat man den Eindruck
Alles sei akribisch
Geplant und durchdacht

Dominosteine.

© Hannes Hartl, 16. November 2018

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Jarons Reise #007

VII

Zeichnung von Quadraten in einem FeldDie erste Station der Reise war der Nachbarort Wildarstet. Jaron wollte sich dort noch einmal umsehen. Ein paar Stunden lang streunte er durch die verlassenen Straßen und schaute in die Häuser. Seit seinem letzten Besuch hatte sich wenig verändert. Außer, dass auch hier die Häuser langsam verfielen.

Doch dann, plötzlich stieß Jaron auf etwas Außergewöhnliches. Auf einem der Felder entdeckte er drei in das Korn gedrückte Quadrate. Kleine Quadrate nur, aber das Getreide war so niedergedrückt worden, dass sich die Halme nicht wieder aufrichteten.

Und Jaron hatte so etwas nach dem Vorfall auch in Korumstet gesehen. Das hatte er damals für einen seltsamen Zufall gehalten. Für die Folge eines Wetterphänomens. Doch zweimal in der exakt gleichen Anordnung? In zwei verlassenen Dörfern? Da musste mehr dahinter stecken.

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