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Süße Melancholie

Diese Zeichnung wurde angeregt durch einen Kommentar der lieben Tete. Ich hoffe, sie verzeiht mir, dass ich mich eines ihrer Zitate bedient habe.

Frau mit Zigarette in einem Café.

© Hannes Hartl, 16. Januar 2019

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Kurzmagie

Rasch zaubert
Der Regen
Ein Muster
Auf das Blech
Erfrischt die Luft
Und zieht
Husch
Wieder weg

Regen bildet ein Muster auf einer metallenen Oberfläche.

© Hannes Hartl, 10. August 2018

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Mondmilch

Wie Milch fließt der Regen im Mondschein über das Kopfsteinpflaster. Mit leerem Blick beobachtet Rick die unzähligen Tropfen. Sie fallen auf die Steine, prasseln davon ab, strömen in kleinen Rinnsalen in die Fugen und werden schließlich zu Miniaturseen aus Mondmilch.

Rick konzentriert sich komplett auf den Regen und für ein paar kostbare Momente herrscht so etwas wie Ruhe in seinem Kopf.
Das war doch mal seine Stärke gewesen. Volle Konzentration. Das Ding eiskalt durchziehen. Einen klaren Kopf behalten. Warum hatte er es dieses Mal nicht hinbekommen? Dieses eine verdammte Mal.

Rick schüttelt seinen Kopf, blickt in den Becher in seiner Hand und schwenkt den Inhalt vorsichtig hin und her. Ein Schluck bleibt ihm noch.
Normalerweise hatte er kein Problem mit seinem Job. Er konnte nicht sagen, dass er liebte, was er tat. Aber wer konnte das schon. Er tat eben, was er gut konnte. Doch dieses Mal hatte er versagt.

Ihr Gesicht erscheint wieder und wieder vor seinem inneren Auge. Ihr trauriger Blick als sie sagte:
„Ich weiß, dass Tom dich geschickt hat. Ich weiß, dass du nichts dafür kannst, Rick. Lass es uns hinter uns bringen.“
Doch er konnte es nicht tun. Er hatte die Pistole sinken lassen. Sie war ihm um den Hals gefallen und flüsterte:
„Tu das nicht, Rick. Nicht für mich. Du weißt, was das bedeutet.“
Er wusste es. Er kannte die Regeln. Das Gesetz aus Blut und Blei. Er genoß für einen Augenblick noch ihre Wärme, ihren Duft, ihre weichen Finger auf seinem Arm. Dann schob er sie von sich. Nicht grob, aber bestimmt.

Sie blickten sich in die Augen, doch er konnte ihren Blick nicht lange erwidern. Sonst hätte er sich wieder darin verloren. Wie er sich damals schon darin verloren hatte, als sie in seine Klasse gekommen war. Wie er sich immer wieder darin verloren hatte, bis sie sich aus den Augen verloren hatten.
„Geh jetzt, Mia.“, stieß er hervor.
Sie zögerte noch. Blickte suchend umher. Rang mit den Worten. Doch es gab nichts mehr zu sagen außer:
„Danke, Rick.“

Als sie in den Regen hinauslief, sah er ihr noch ein Weile hinterher. Warum musstest du dich damals für Tom entscheiden, Mia? Ausgerechnet Tom, diesen Wichser. Und warum in aller Welt hatte Rick diesen Auftrag angenommen? Er hätte sie schon auf dem Foto erkennen müssen. Aber sie hatte sich sehr verändert seit damals. Und sie war getarnt. Tom muss gewusst haben, dass er sie nicht töten könnte. Dieser Bastard. Wollte er ihn auf die Probe stellen?

Er steckte die Waffe in seine Jacke. Dann trat auch er in den Regen und fing an zu gehen. Wohin, das wusste er nicht. Er ließ seine Füße entscheiden. Einfach nur weg. Weit weg. Auch, wenn er wusste, dass es nichts bringen würde, sein Überlebenstrieb klammerte sich an diesen letzten Strohhalm. Weg, Rick. Geh einfach weg.

Irgendwann war er mit völlig durchnässter Kleidung in einem Banhofs-Café gelandet. Er hatte keine Ahnung, wie spät es war. Ihm war kalt. Er brauchte etwas, um sich zu wärmen und bestellte einen Kaffee.

Er blickt wieder in seinen Pappbecher, seufzt und trinkt den letzten Schluck aus. Dann geht er hinaus.

Es ist seltsam still draußen. Kein Auto, kein Mensch, kein Leben. Nur der Regen und das Kopfsteinpflaster und nun Ricks Schritte. Nach einigen Metern hört er eine bekannte Stimme hinter sich:
„Richard! Richard Stern!“
Niemand nennt ihn Richard. Niemand nennt ihn so, nichtmal seine Eltern. Nur einer nennt ihn Richard.
„Das war ein Fehler, Richard!“
Rick müsste sich eigentlich geschmeichelt fühlen. Tom kümmert sich selbst um die Sache. Doch Rick ist es egal. Er geht weiter ohne sich umzudrehen, ohne zu zögern. Er spürt kaum den Einschlag in seinem Rücken. Auch nicht den zweiten oder den dritten. Er hört nicht die Schüsse. Er konzentriert sich auf den Regen und geht weiter. Er konzentriert sich auf die unzähligen Tropfen. Sie fallen auf die Steine, prasseln davon ab, strömen in kleinen Rinnsalen in die Fugen und werden schließlich zu Miniaturseen aus Mondmilch. Mondmilch, die sich rosa färbt, als Rick aufs Pflaster niedersinkt.

Pfütze auf Kopfsteinpflaster.

© Hannes Hartl, 25. Juli 2018

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Tropfen

Wie ein Wassertropfen
Will ich heute sein
Ganz rund und weich

Will mit den anderen
Tropfen dahin fließen
Und nicht anecken

Wassertropfen.

Oder als Regentropfen
Dir ins Gesicht fallen
Zart und warm

An deiner Wange
Wie eine salzlose Träne
Streichelnd abperlen

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Stete Sonne

Nach dem Regen
Scheint die Sonne
Und trocknet
Den begossensten Pudel

Doch eigentlich
Ist die Sonne
Immer da

Auch wenn
Wolken oder
Die Erddrehung
Uns die
Sicht nehmen

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Im Regen

Ich hab mich
In den Regen gestellt
Und es war gut

Hab mich
Dem Regen
Voll ausgesetzt

Ok
Zuerst hab ich
Es gehasst

Doch der Regen
Spülte eine Last
Von meiner Seele

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Heimat

Du bist
Meine Heimat
Mein Zuhause

Mit dir
Teile ich
Meine heiße Schokolade
Und wir schauen dabei
Aus dem Fenster
Durch die Regentropfen
Bis es dunkel wird

Ich hoff
Ich bin
Dir auch Heimat
Und Zuhause

Und ich wär
Dir gerne
Eine Burg
Mit Mauern
Gegen alle Feinde
Und ein Schloss
Mit offenem Tor
Für jeden Freund

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Frühlingsregen

Kleine Nieseltropfen
Tanzen
In der Luft
Kitzeln Stirn
Und Nase
Kühlen frech
Das Gemüt

Fast
Genießt man es
Doch Der
Nächste Windstoß
Sagt
Brrr, zu kalt!

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April

Düster türmen sich die Wolken
Und es geht ein kalter Wind
Frische Knospen an den Bäumen
Tanzen ängstlich auf und ab

Gezeichneter Schriftzug 'April'

Ab und an da blitzt die Sonne
Durch das dichte Wolkendach
Plötzlich bricht ein Regenschauer
Auf die Welt mit voller Kraft

Kurz verstummen Spatz und Meise
Dann ertönt erneut ihr Lied
Froh besingen sie den Frühling
Und die Hummeln summen mit

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Jarons Reise #005

V

Jaron blickte aus dem Fenster hinaus zum Korumgebirge, das dem Dorf seinen Namen hab. In dieser Richtung lagen auch die Felder. Er war froh, nicht auf die diesjährige Weizenernte angewiesen zu sein. Jaron hatte noch genug Weizen im Lager gefunden. Keiner brauchte es, außer ihm. Ansonsten hätte er sich mehr Sorgen über den anhaltenden Regen gemacht.Gezeichneter Mehlsack

Bald sollten die Kartoffeln und die Karotten, die auf den Feldern wuchsen, reif genug sein, um sie zu ernten. Er würde nicht alles ernten. Nur etwas Reiseproviant. Nicht gerade prickelnd, aber man konnte sich damit eine Weile über Wasser halten. Unterwegs konnte er außerdem jagen.

Ihm fiel auf, dass er sich noch nie Gedanken darüber gemacht hatte, wie lange er reisen wollte. Wohin sollte er überhaupt gehen? Würde er zurückkehren? Die Fragen fanden keine Antwort in seinem Kopf.

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