Archiv der Kategorie: Jarons Reise

Jarons Reise #011

XI

Als der nächste Morgen kam, wagte Jaron sich vorsichtig aus der Nische und streckte seine steifen Knochen. Er musste sich wohl daran gewöhnen auf hartem Fels zu schlafen. Er wollte die Nische  für die nächsten Tage als Basis für weitere Erkundungen nutzen. Wer auch immer die Zeichnung angefertigt hatte, möglicherweise hielt er sich irgendwo in der Nähe auf.Gezeichnete Landschaft

 

Jaron kletterte auf den Hügel über der Nische, um einen besseren Überblick über die Gegend zu bekommen. Leider sah er hauptsächlich dichten Wald. Zwei Stellen gab es jedoch, an denen er größere Lichtungen im Wald erkannte. Er erhoffte, dass er dort Siedlungen finden würde.

Bevor er loszog wollte er noch ein paar Vorkehrungen treffen. Sein Plan sah vor, den großen Rucksack vorerst in der Nische zu verstecken und nur mit wenig Gepäck kleine Tagestouren zu unternehmen. Das bedeutete aber auch, dass er unbedingt die Nische immer wieder finden musste. Das bereitete ihm zunächst noch Kopfzerbrechen.

Seine erste Idee war es, Pfeile aus Ästen zu legen. Doch die könnten Tiere finden und zerstören. Dann kam ihm die Idee ein Feuer zu legen. Ein kleines, konzentriertes Feuer, das lange brannte aber ausreichend Rauch produzierte, damit er es über weite Distanzen sehen konnte. Beim Holzhacken kam ihm eine weitere Idee: Er würde auf dem Hinweg kleine Kerben in einigem Abstand in Bäume schlagen. Er hasste es zwar, Bäume unnötig zu verletzen, doch in diesem Fall war es wohl die beste Methode, zurück zu finden. Und so eine kleine Kerbe konnten die Bäume gut verkraften.

Den restlichen Tag verbrachte Jaron damit, eine Grube für das Feuer auszuheben sowie Holz, Gras und Moose zu sammeln. In der Grube wollte er das Feuer entfachen und wenn er ein stabiles Glutnest hatte, die Gräser und Moose zusammen mit kleinen Ästen allmählich ins Feuer rutschen lassen. So erhoffte er sich ein langlebiges aber rauchendes Feuer zu erzielen. Während er nach geeignetem Brennmaterial suchte, stellte er außerdem hier und dar kleine Fallen auf. Es würde sicher nicht schaden, sein Glück zu versuchen.

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Jarons Reise #010

X

Als er abends neben dem friedlich flackernden Feuer lag, fiel ihm das Einschlafen schwer. So viele Gedanken irrten durch seinen Kopf, ohne auf Antworten stoßen zu können. All die neuen Informationen, die er noch nicht richtig einordnen konnte. Und alle die Möglichkeiten, die sich daraus ergaben.Amjanka

Dann mischten sich auch Erinnerungen und Sehnsüchte aus der Vergangenheit darunter. Erinnerungen, die er zu verdrängen versucht hatte, weil sie schmerzten. Erinnerungen an seine wunderschöne Amjanka. Jetzt keimte wieder Hoffnung in Jaron, dass er Amjanka wiedersehen würde. Oh wie sehr er hoffte, sie noch ein Mal so nahe spüren zu können, so nahe wie an dem Tag vor dem Vorfall, als sie ihn mit verschwörerischem Blick in die Scheune ihres Vaters, Bauer Torun, gezogen hatte. Oh, wie sehr er sie vermisste. Ihre roten, welligen Haare. Ihr rundes Gesicht voller Sommersprossen. ihre suchenden Finger und sanften Lippen.

Ja, Amjanka hatte ihn, den starken aber schüchternen Jaron, voll und ganz erobert. Und scheinbar war es jetzt an ihm, seine geliebte Amjanka zurück zu gewinnen. Irgendwie. Mit diesen Gedanken schlief er ein.

 


Hier noch der erste Entwurf für Amjanka:

Amjanka (Entwurf)

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Jarons Reise #009

IX

Zum Glück trug er stets sein Feuereisen und Zunder bei sich. Damit hatte er schnell ein kleines Feuer aus rasch zusammengetragenen Zweigen entfacht. Nun offenbarte sich das ganze mit Kohle gemalte Bild. Besser gesagt, die Bilder.

Jaron wurde kalt. Er verstand nicht genau, was er da sah. Doch was er sah, machte ihm Angst. Was waren das für seltsame Dinge? Waren die Menschen diesen Dingern gefolgt? Schwebten diese Dinger über dem Boden? So viele Fragen, so wenig Antworten.Ein Wangemälde

Doch letztendlich fand Jaron seinen Mut wieder zurück. Schließlich bedeutete die alleinige Existenz dieser Bilder, dass es noch andere Menschen geben musste, die anscheinend etwas mehr über die Herkunft dieser mysteriösen Quadrate wussten. Zumindest ging Jaron davon aus, dass die rechteckigen Dinger auf der Zeichnung mit den Quadraten, die er entdeckt hatte, zusammenhingen. Die Anordnung war einfach zu ähnlich.

Vielleicht würde er diese Menschen finden können und endlich mehr über diesen schrecklichen Vorfall herausfinden. Aber zuerst musste er seinen Schlafplatz einrichten. Es wurde langsam dunkel draußen.

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Jarons Reise #008

VIII

Irgendetwas an diesen mysteriösen Quadraten hatte Jaron erschaudern lassen. Eilig verließ er den Fundort. Ohne feste Ziel vor Augen marschierte er davon.

Einige Stunden später brauchte er eine Pause. Er ließ sich auf einen bemoosten Stein fallen, legte den Rucksack ab und holte ein paar Karotten heraus.Zeichnung einer Landschaft Beim Essen schweifte sein Blick über die bewaldete Gegend. Da fiel ihm eine kleine Nische in einem Hügel auf. Er entschied sich dazu, diese Nische nach dem kleinen Karottensnack genauer in Augenschein zu nehmen. Schließlich wurde es bereits langsam Nachmittag und es war keine schlechte Idee eine Bleibe für die Nacht zu finden. Im Freien zu übernachten war zu gefährlich. Auch große Höhlen waren nicht viel besser. In deren schier unendlicher Dunkelheit konnte wer-weiß-was lauern. Aber so eine kleine Nische im Fels war perfekt. Mit ein paar Ästen konnte man sie provisorisch verschließen und mit einem Feuer wurde sie fast gemütlich. Ein Gasthauszimmer war es gewiss nicht, aber das ließ sich wohl auf die Schnelle auch nicht so leicht auftreiben.

Jaron schluckte den letzten Bissen, packte seinen Rucksack wieder und schlenderte zu der Felsnische. Dort angekommen traute er seinen Augen nicht. Hier hatten schon einmal Menschen gehaust. Auf dem Boden erkannte er die Reste einer Feuerstelle. Darum herum lagen kleine Knochen. Vermutlich von Hühnchen. Aber an meisten interessierte ihn das Wandgemälde, das er im Dunkel der Nische kaum erkennen konnte. Er brauchte dringend Licht.

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Jarons Reise #007

VII

Zeichnung von Quadraten in einem FeldDie erste Station der Reise war der Nachbarort Wildarstet. Jaron wollte sich dort noch einmal umsehen. Ein paar Stunden lang streunte er durch die verlassenen Straßen und schaute in die Häuser. Seit seinem letzten Besuch hatte sich wenig verändert. Außer, dass auch hier die Häuser langsam verfielen.

Doch dann, plötzlich stieß Jaron auf etwas Außergewöhnliches. Auf einem der Felder entdeckte er drei in das Korn gedrückte Quadrate. Kleine Quadrate nur, aber das Getreide war so niedergedrückt worden, dass sich die Halme nicht wieder aufrichteten.

Und Jaron hatte so etwas nach dem Vorfall auch in Korumstet gesehen. Das hatte er damals für einen seltsamen Zufall gehalten. Für die Folge eines Wetterphänomens. Doch zweimal in der exakt gleichen Anordnung? In zwei verlassenen Dörfern? Da musste mehr dahinter stecken.

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Jarons Reise #006

VI

Zwei gezeichnet KarottenAm nächsten Tag wurde das Wetter freundlicher. Jaron schäfte seine Axt und begann mit der Ernte. Nachmittags beschloss er, dass er endlich genug Gemüse geerntet hatte. Er packte probeweise den großen Rucksack, den er sich extra für die Reise angefertigt hatte. Es erschien ihm noch etwas zu schwer. Also legte er etwas Gemüse wieder zurück. Dann war er mit dem Gewicht zufrieden.

Aus dem übrigen Gemüse kochte er sich ein großen Eintopf für das Abendessen und legte sich mit vollem Bauch schlafen.

Als er gut ausgeruht am nächsten Morgen aufwachte, war Jaron aufgeregt. Endlich würde es los gehen. Er füllte seinen Trinkschlauch im Brunnen mit frischem Wasser und aß zum Frühstück die Reste des Eintopfs. Dann legte er sich seine Ausrüstung an, schaute sich nochmal unschlüssig um, fasste sich ein Herz und zog los.

Im Keller seiner Hütte ließ er ein Buch zurück, in welchem er die Geschehnisse und sein Vorhaben niedergeschrieben hatte. Für den Fall, dass irgendwann jemand nach Korumstet kommen sollte.

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Jarons Reise #005

V

Jaron blickte aus dem Fenster hinaus zum Korumgebirge, das dem Dorf seinen Namen hab. In dieser Richtung lagen auch die Felder. Er war froh, nicht auf die diesjährige Weizenernte angewiesen zu sein. Jaron hatte noch genug Weizen im Lager gefunden. Keiner brauchte es, außer ihm. Ansonsten hätte er sich mehr Sorgen über den anhaltenden Regen gemacht.Gezeichneter Mehlsack

Bald sollten die Kartoffeln und die Karotten, die auf den Feldern wuchsen, reif genug sein, um sie zu ernten. Er würde nicht alles ernten. Nur etwas Reiseproviant. Nicht gerade prickelnd, aber man konnte sich damit eine Weile über Wasser halten. Unterwegs konnte er außerdem jagen.

Ihm fiel auf, dass er sich noch nie Gedanken darüber gemacht hatte, wie lange er reisen wollte. Wohin sollte er überhaupt gehen? Würde er zurückkehren? Die Fragen fanden keine Antwort in seinem Kopf.

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Jarons Reise #004

IV

Am nächsten Tag regnete es in Strömen. Jaron nutze den Tag, um seine Ausrüstung durchzugehen. Als erfahrener Jäger würde er nicht auf seinem Bogen verzichten. In seinem  Köcher waren bereits einige Pfeile, aber  Jaron beschloss noch ein paar mehr herzustellen und stellte sich an die Werkbank. Da er geübt darin war, kam schnell voran. Noch vor Mittag hatte er genug hergestellt und machte sich etwas zu Essen.

Pfeile

Nach dem Mittagessen prüfte er seine Axt. Er würde an einem der nächsten Tage zur Schmiede gehen, um die Klinge zu schärfen. Er war kein großer Nahkämpfer, aber eine Axt war in zahlreichen Situationen gut zu gebrauchen. Außerdem würde er eine Spitzhacke und eine Schaufel mitnehmen. Oft würde es das Beste sein, sich abends eine kleine Erdhöhle zu graben. Zum Schutz vor den Untieren, die herauskamen, sobald die Dunkelheit anbrach.

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Jarons Reise #003

III

Jaron begutachtete die Felder, die sich hinter dem Bauernhof erstreckten.  Bald würde er genug Vorräte für seine Reise gesammelt haben.Ein Zeichnung von einer Hacke Ewig wollte er nicht tatenlos zusehen, wie das verlassene Dorf langsam zu Staub zerfiel. Daher schmiedete er schon seit einer Weile einen Plan, wie er von hier weg kommen würde.

 

Er war zwar schon einmal in das nächste Dorf, Wildarstet,  gewandert, doch dort hatte ihn dasselbe Bild wie hier in Korumstet erwartet: Trostlose Leere. Alles verlassen. Dennoch konnte sich Jaron nicht mit dem Gedanken anfreunden, ganz allein in dieser Welt zu sein. Irgendwo mussten  doch andere Menschen zu finden sein.

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Jarons Reise #002

II

Jaron kam am verlassenen Bauernhof an. Das Dach schien bald einzustürzen. Doch das kümmerte Jaron im Moment wenig. Wichtiger war, dass der Schuppen und die Mühle intakt blieben. Das war wichtig. Überlebenswichtig. Alleine hatte er gar nicht genug Zeit, alles in Schuss zu halten. Und für wen sollte er das tun?

Ein Zeichnung von einem Bergdorf

Er hatte sich inzwischen damit abgefunden, dass niemand zurück kommen würde. Er wusste nicht, was passiert war und warum. Er wusste nur Eines: Als er an diesem einen, schicksalsvollen Tag  von der Jagd zurückkam, waren plötzlich alle verschwunden. Das ganze Dorf. Bis auf Ihn. Sie hatten alles stehen und liegen lassen und waren gegangen – oder wurden genommen. Doch von einem Kampf war nichts zu sehen. Es wirkte, als wären sie freiwillig weggegangen. Doch Jaron konnte sich nicht erklären, warum.

Es half alles nichts. Er hatte sich irgendwann  dazu entschlossen, weiter zu machen; zu überleben.

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