Monatsarchiv: April 2016

Jarons Reise #012

XII

Jaron hatte das Feuer schon am Abend zuvor entzündet, um eine gute Glut zu bekommen. Jetzt, am nächsten Morgen, legte er die feuchteren Brennmaterialien auf eine kleine Rampe und hoffte, dass das Nachrutschen funktionieren würde. Er war sich auch nicht sicher, ob das raucherzeugende Material überhaupt reichte. Für einen Testlauf fehlte ihm aber die Geduld. Jaron hoffte einfach, dass ihm die Rauchsäule zumindest als grobe Orientierung für den Hinweg reichen würde. Für den Rückweg vermutete er, dass er sich auf die Kerben verlassen konnte.

Also machte Jaron sich auf den Weg. Der erste Ausflug sollte ihn gen Westen. Die Sonne im Rücken ging er los und stellte bald fest, dass auch in dieser Gegend, wie in seinem Jagdrevier, die Bäume vorwiegend im Westen am stärksten verwittert waren. Also machte er die Kerben auf dieser Seite, damit er sie auf dem Rückweg immer vor sich hatte und sie leichter finden konnte.Gezeichneter Busch

Allerdings kam er nur langsam voran. Der Wald war noch dichter als erwartet und wurde immer wieder von Gestrüpp durchwuchert. Er musste also hart arbeiten, um sich einen möglichst geraden Weg frei zu schlagen. Dafür war die Presche leicht wieder zu erkennen und es würde ihm leicht fallen, den Rückweg zu finden. Außerdem fanden sich unter den niedrigen Büschen immer wieder Beerensträucher. Dankend nahm er die saftigen Beeren als kleine Erfrischung an.

Da sich die Sonne jedoch schon langsam über den Zenit schob und Jaron immer noch nicht an der verhofften Lichtung angekommen war, wurde er allmählich angespannter. Dass er die Rauchsäule schon längst nicht mehr sehen konnte, die Bäume waren einfach zu hoch und zu dicht, stimmte ihn nicht gerade besser. Immer öfter hörte man Flüche durch den Wald schallen.

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Jarons Reise #011

XI

Als der nächste Morgen kam, wagte Jaron sich vorsichtig aus der Nische und streckte seine steifen Knochen. Er musste sich wohl daran gewöhnen auf hartem Fels zu schlafen. Er wollte die Nische  für die nächsten Tage als Basis für weitere Erkundungen nutzen. Wer auch immer die Zeichnung angefertigt hatte, möglicherweise hielt er sich irgendwo in der Nähe auf.Gezeichnete Landschaft

 

Jaron kletterte auf den Hügel über der Nische, um einen besseren Überblick über die Gegend zu bekommen. Leider sah er hauptsächlich dichten Wald. Zwei Stellen gab es jedoch, an denen er größere Lichtungen im Wald erkannte. Er erhoffte, dass er dort Siedlungen finden würde.

Bevor er loszog wollte er noch ein paar Vorkehrungen treffen. Sein Plan sah vor, den großen Rucksack vorerst in der Nische zu verstecken und nur mit wenig Gepäck kleine Tagestouren zu unternehmen. Das bedeutete aber auch, dass er unbedingt die Nische immer wieder finden musste. Das bereitete ihm zunächst noch Kopfzerbrechen.

Seine erste Idee war es, Pfeile aus Ästen zu legen. Doch die könnten Tiere finden und zerstören. Dann kam ihm die Idee ein Feuer zu legen. Ein kleines, konzentriertes Feuer, das lange brannte aber ausreichend Rauch produzierte, damit er es über weite Distanzen sehen konnte. Beim Holzhacken kam ihm eine weitere Idee: Er würde auf dem Hinweg kleine Kerben in einigem Abstand in Bäume schlagen. Er hasste es zwar, Bäume unnötig zu verletzen, doch in diesem Fall war es wohl die beste Methode, zurück zu finden. Und so eine kleine Kerbe konnten die Bäume gut verkraften.

Den restlichen Tag verbrachte Jaron damit, eine Grube für das Feuer auszuheben sowie Holz, Gras und Moose zu sammeln. In der Grube wollte er das Feuer entfachen und wenn er ein stabiles Glutnest hatte, die Gräser und Moose zusammen mit kleinen Ästen allmählich ins Feuer rutschen lassen. So erhoffte er sich ein langlebiges aber rauchendes Feuer zu erzielen. Während er nach geeignetem Brennmaterial suchte, stellte er außerdem hier und dar kleine Fallen auf. Es würde sicher nicht schaden, sein Glück zu versuchen.

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Jarons Reise #010

X

Als er abends neben dem friedlich flackernden Feuer lag, fiel ihm das Einschlafen schwer. So viele Gedanken irrten durch seinen Kopf, ohne auf Antworten stoßen zu können. All die neuen Informationen, die er noch nicht richtig einordnen konnte. Und alle die Möglichkeiten, die sich daraus ergaben.Amjanka

Dann mischten sich auch Erinnerungen und Sehnsüchte aus der Vergangenheit darunter. Erinnerungen, die er zu verdrängen versucht hatte, weil sie schmerzten. Erinnerungen an seine wunderschöne Amjanka. Jetzt keimte wieder Hoffnung in Jaron, dass er Amjanka wiedersehen würde. Oh wie sehr er hoffte, sie noch ein Mal so nahe spüren zu können, so nahe wie an dem Tag vor dem Vorfall, als sie ihn mit verschwörerischem Blick in die Scheune ihres Vaters, Bauer Torun, gezogen hatte. Oh, wie sehr er sie vermisste. Ihre roten, welligen Haare. Ihr rundes Gesicht voller Sommersprossen. ihre suchenden Finger und sanften Lippen.

Ja, Amjanka hatte ihn, den starken aber schüchternen Jaron, voll und ganz erobert. Und scheinbar war es jetzt an ihm, seine geliebte Amjanka zurück zu gewinnen. Irgendwie. Mit diesen Gedanken schlief er ein.

 


Hier noch der erste Entwurf für Amjanka:

Amjanka (Entwurf)

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Einschnitt

Die Worte
Schneiden tief
So tief

Ein gezeichnetes Messer in einer Wunde

Sie trennen
Eine Verbindung ab
Die nicht
Ersetzt
Werden wird

Der Schnitt
Hat was
Verändert
Deine Gedanken
Dein Handeln

Aber
Es hilft nichts
Du drückst
Den Schmerz weg
Machst dir Mut

Du hast
So viel mehr
Auf das Bisschen
Illusion
Kannst du
Auch verzichten

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Jarons Reise #009

IX

Zum Glück trug er stets sein Feuereisen und Zunder bei sich. Damit hatte er schnell ein kleines Feuer aus rasch zusammengetragenen Zweigen entfacht. Nun offenbarte sich das ganze mit Kohle gemalte Bild. Besser gesagt, die Bilder.

Jaron wurde kalt. Er verstand nicht genau, was er da sah. Doch was er sah, machte ihm Angst. Was waren das für seltsame Dinge? Waren die Menschen diesen Dingern gefolgt? Schwebten diese Dinger über dem Boden? So viele Fragen, so wenig Antworten.Ein Wangemälde

Doch letztendlich fand Jaron seinen Mut wieder zurück. Schließlich bedeutete die alleinige Existenz dieser Bilder, dass es noch andere Menschen geben musste, die anscheinend etwas mehr über die Herkunft dieser mysteriösen Quadrate wussten. Zumindest ging Jaron davon aus, dass die rechteckigen Dinger auf der Zeichnung mit den Quadraten, die er entdeckt hatte, zusammenhingen. Die Anordnung war einfach zu ähnlich.

Vielleicht würde er diese Menschen finden können und endlich mehr über diesen schrecklichen Vorfall herausfinden. Aber zuerst musste er seinen Schlafplatz einrichten. Es wurde langsam dunkel draußen.

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April

Düster türmen sich die Wolken
Und es geht ein kalter Wind
Frische Knospen an den Bäumen
Tanzen ängstlich auf und ab

Gezeichneter Schriftzug 'April'

Ab und an da blitzt die Sonne
Durch das dichte Wolkendach
Plötzlich bricht ein Regenschauer
Auf die Welt mit voller Kraft

Kurz verstummen Spatz und Meise
Dann ertönt erneut ihr Lied
Froh besingen sie den Frühling
Und die Hummeln summen mit

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Jarons Reise #008

VIII

Irgendetwas an diesen mysteriösen Quadraten hatte Jaron erschaudern lassen. Eilig verließ er den Fundort. Ohne feste Ziel vor Augen marschierte er davon.

Einige Stunden später brauchte er eine Pause. Er ließ sich auf einen bemoosten Stein fallen, legte den Rucksack ab und holte ein paar Karotten heraus.Zeichnung einer Landschaft Beim Essen schweifte sein Blick über die bewaldete Gegend. Da fiel ihm eine kleine Nische in einem Hügel auf. Er entschied sich dazu, diese Nische nach dem kleinen Karottensnack genauer in Augenschein zu nehmen. Schließlich wurde es bereits langsam Nachmittag und es war keine schlechte Idee eine Bleibe für die Nacht zu finden. Im Freien zu übernachten war zu gefährlich. Auch große Höhlen waren nicht viel besser. In deren schier unendlicher Dunkelheit konnte wer-weiß-was lauern. Aber so eine kleine Nische im Fels war perfekt. Mit ein paar Ästen konnte man sie provisorisch verschließen und mit einem Feuer wurde sie fast gemütlich. Ein Gasthauszimmer war es gewiss nicht, aber das ließ sich wohl auf die Schnelle auch nicht so leicht auftreiben.

Jaron schluckte den letzten Bissen, packte seinen Rucksack wieder und schlenderte zu der Felsnische. Dort angekommen traute er seinen Augen nicht. Hier hatten schon einmal Menschen gehaust. Auf dem Boden erkannte er die Reste einer Feuerstelle. Darum herum lagen kleine Knochen. Vermutlich von Hühnchen. Aber an meisten interessierte ihn das Wandgemälde, das er im Dunkel der Nische kaum erkennen konnte. Er brauchte dringend Licht.

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Jarons Reise #007

VII

Zeichnung von Quadraten in einem FeldDie erste Station der Reise war der Nachbarort Wildarstet. Jaron wollte sich dort noch einmal umsehen. Ein paar Stunden lang streunte er durch die verlassenen Straßen und schaute in die Häuser. Seit seinem letzten Besuch hatte sich wenig verändert. Außer, dass auch hier die Häuser langsam verfielen.

Doch dann, plötzlich stieß Jaron auf etwas Außergewöhnliches. Auf einem der Felder entdeckte er drei in das Korn gedrückte Quadrate. Kleine Quadrate nur, aber das Getreide war so niedergedrückt worden, dass sich die Halme nicht wieder aufrichteten.

Und Jaron hatte so etwas nach dem Vorfall auch in Korumstet gesehen. Das hatte er damals für einen seltsamen Zufall gehalten. Für die Folge eines Wetterphänomens. Doch zweimal in der exakt gleichen Anordnung? In zwei verlassenen Dörfern? Da musste mehr dahinter stecken.

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Jarons Reise #006

VI

Zwei gezeichnet KarottenAm nächsten Tag wurde das Wetter freundlicher. Jaron schäfte seine Axt und begann mit der Ernte. Nachmittags beschloss er, dass er endlich genug Gemüse geerntet hatte. Er packte probeweise den großen Rucksack, den er sich extra für die Reise angefertigt hatte. Es erschien ihm noch etwas zu schwer. Also legte er etwas Gemüse wieder zurück. Dann war er mit dem Gewicht zufrieden.

Aus dem übrigen Gemüse kochte er sich ein großen Eintopf für das Abendessen und legte sich mit vollem Bauch schlafen.

Als er gut ausgeruht am nächsten Morgen aufwachte, war Jaron aufgeregt. Endlich würde es los gehen. Er füllte seinen Trinkschlauch im Brunnen mit frischem Wasser und aß zum Frühstück die Reste des Eintopfs. Dann legte er sich seine Ausrüstung an, schaute sich nochmal unschlüssig um, fasste sich ein Herz und zog los.

Im Keller seiner Hütte ließ er ein Buch zurück, in welchem er die Geschehnisse und sein Vorhaben niedergeschrieben hatte. Für den Fall, dass irgendwann jemand nach Korumstet kommen sollte.

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Jarons Reise #005

V

Jaron blickte aus dem Fenster hinaus zum Korumgebirge, das dem Dorf seinen Namen hab. In dieser Richtung lagen auch die Felder. Er war froh, nicht auf die diesjährige Weizenernte angewiesen zu sein. Jaron hatte noch genug Weizen im Lager gefunden. Keiner brauchte es, außer ihm. Ansonsten hätte er sich mehr Sorgen über den anhaltenden Regen gemacht.Gezeichneter Mehlsack

Bald sollten die Kartoffeln und die Karotten, die auf den Feldern wuchsen, reif genug sein, um sie zu ernten. Er würde nicht alles ernten. Nur etwas Reiseproviant. Nicht gerade prickelnd, aber man konnte sich damit eine Weile über Wasser halten. Unterwegs konnte er außerdem jagen.

Ihm fiel auf, dass er sich noch nie Gedanken darüber gemacht hatte, wie lange er reisen wollte. Wohin sollte er überhaupt gehen? Würde er zurückkehren? Die Fragen fanden keine Antwort in seinem Kopf.

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