Monatsarchiv: Juli 2011

Fundstücke V: Ulrich Beck: Der Kosmoplitische Blick (3)

Folgendes Zitat aus unten genannter Quelle ist ein für das Buch zentrales:

S. 118: „Mit der Kosmopolitisierung [Anmerkung: Dies ist, nach Beck, ein unumkehrlicher Prozess, den wir bereits erfahren.] treten an die Stelle von national-nationalen Beziehungen trans-lokale, lokal-globale, trans-nationale, national-globale und global-globale Beziehungsmuster.“

Beck fordert nicht nur die Wissenschaften auf, sich dem zu stellen, was für ihn längst Realität ist: der Kosmopolitisierung der Menschheit. Das heißt der national konzentrierten Blickweise, welche er vorzufinden glaubt, eine kosmoplitischen Blickweise entgegen zu stellen. Damit meint er nicht die Sicht einer Aufhebung der Nationen, eines multikulturellen Nebeneinanders oder eines monokulturellen Breis, sondern eine Vorgehensweise, welche die anerkennt, dass die Kategorien von national begrenzten Gesellschaften in der aktuellen Epoche nicht mehr die Wirklichkeit abbilden können.
Seine Vorstellung von so einem Blick ist schwer zu greifen. Das liegt an seiner Konzeption. Es geht eben nicht mehr um klare, starre Muster, sondern um ein Hinterfragen und Neugestalten dieser Denkweisen, was zu einem Ergebnis führt, dass selbst immer wieder aktualisiert werden muss. Wie das konkret aussehen kann, ist allerdings, meiner Meinung nach, leider nicht 100%ig dargelegt.

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Fundstücke IV: Ulrich Beck: Der Kosmoplitische Blick (2)

Aus unten genanntem Buch fiel mir auch folgendes Beispiel auf:

S.36: In der globalisierten Welt besteht der Drang zu einer „zwanghafte[n] Vortäuschung von Kontrolle über das Unkontrollierbare“.

Hier bezieht sich Beck auf die Ansicht, dass die Menschheit mehr und mehr kosmopolitisiert wird, indem wir alle gemeinsame Katastrophenerfahrungen teilen. Gemeint sind etwa die Bedrohung durch die Auswirkungen des Klimawandels, internationaler Terrorismus oder die Risiken der nuklearen Bewaffnung und der Kernkraft. Die Grenzenlosigkeit dieser (möglichen) Katastrophen und die massenmediale Präsenz schaffen, nach Beck, eine Globalisierung der Emotionen. Dies kann zum Zusammenrücken der Menschheit führen, birgt aber zugleich das Potential für Konflikte und für Verunsicherung und einem Ohnmachtsgefühl führen.
Ich denke, Letzteres ist, die aktuellen Terrorakte in Norwegen betrachtend, besonders hervorstechend. Denn ich glaube, genau diese Verunsicherung und das Ohmachtsgefühl können Menschen zu solchen Taten bringen. Allerdings sollten wir zwei Fehler dabei vermeiden: Den Glauben wecken, man könnte 1) mit Verboten von gruppierungen solches Handeln unterbinden und 2) Generalverdacht und Totalüberwachung solche Taten in jedem Fall verhindern. Gedanken, Ideologien, Gefühle und Ängste lassen sich nicht verbieten und begrenzen, wenn man versucht, sie einzusperren. Es gibt keine totale Überwachung und sie brächte auch keine totale Sicherheit. Ich denke, wir können dem allen begegnen, wenn wir die Ängste nicht tabuisieren und so in die Düsterheit verbannen. Stattdessen sollten wir sie zulassen und aussprechen. Wenn wir den Konflikt zulassen und offen austragen, kann er auch zu einer Lösung kommen. Dass man damit Alle erreicht, ist wohl eine Illusion. Es aber nicht zu tun, scheint mir wie eine Kapitulation vor den Extremisten und ihren Ideologien – ein Sich-Einrichten-mit-der-Angst.

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Fundstücke III: Ulrich Beck: Der kosmopolitische Blick (1)

Hier einige Zitate aus: Beck, Ulrich: Der kosmopolitische Blick. Oder: Krieg ist Frieden, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2004.

Eine interessante Einschätzung zu den Auswirkungen der modernen Informationstechnologie:

S. 157: „Je Selbstverständlicher das Fernsehen, aber auch die Mobiltelefone und das Internet zur Innenausstattung des eigenen Lebens gehören, desto mehr wird das Schneckenhaus der Privatheit zum Schein, weil es in die Prozesse der inneren Globalisierung einbezogen wird. Denn die häusliche informationstechnologische Innenausstattung hebt partiell die Grenzen von Zeit, Raum, Ort, Nähe, Ferne auf. Dies läßt die Abwesenden potentiell immer und überall anwesend sein.“

In meinen Augen weist diese Passage daraufhin, wie sehr sich die Kosmopolitisierung, wie sie Beck in seinem Buch beschreibt, an uns bereits vollzieht. Wir heben bisher feste Grenzen von Privatheit und Öffentlichkeit selbst zum Teil auf oder machen sie unscharf. Natürlich bleibt es jedem selbst überlassen, wie weit er dies tut, wer sich aber im sozialen Netz bewegt, schneidet meist zumindest Fenster in sein Schneckenhaus. Und das bewusst und gewollt. Dabei gilt natürlich die Binsenweisheit: Alles hat (mindestens) zwei Seiten. Chancen und Risiken. Das ist auch ein Teil dessen, was Beck als typisches Merkmal des Kosmopolitischen beschreibt: Kein Entweder-Oder, sondern ein Sowohl-als-Auch.

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Fragen an das Ich

Sagst du:
„Das bin ich,
das ist mein Sein“?

Sagst du auch:
„Hier ist mein Heim,
hier ist mein Sein“?

Sagst du weiter:
„Hier ist mein Ort,
hier ist mein Heim“?

Sagst du nun:
„Hier ist die Welt,
Dort ist mein Ort“?

Kannst du dann sagen:
„Hier bin ich,
Welt ist mein Sein“?

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3 Stapel und ein Stapelverarbeitungsprogramm

Ein Stapel wird niedriger
Ein Stapel wächst an
Ein Stapel – wackelig hoch – bleibt gleich
Ein Stapelverarbeitungsprogramm
Brummt, rattert und zischt.

Ein Stapel Schmierpapier
Ein Stapel beschmiertes Papier
Ein Stapel Aufgaben
Ein Stapelverarbeitungsprogramm
Schreibt ein Gedicht.

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Zukunftsnebel 2 – Die Stadt aus Holz

ZUKUNFTSNEBEL 2 – Die Stadt aus Holz

Ich träume von einer Zukunft der Stadt, die mit der Natur eine Symbiose eingeht und so nicht nur für Menschen einen angenehmen Lebensraum bietet. Einen Weg dorthin zeigt die 3sat-Dokumentation „Alles Holz!“, welche zahlreiche moderne Einsatzmöglichkeiten für Holz vorstellt. Besonders beeindruckend finde ich die Möglichkeiten im Bauwesen.

Sicherlich sind Gebäude aus Holz alles andere als eine Neuigkeit. Schon immer spielt Holz eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, Wohnraum zu schaffen. Neu sind jedoch mehrgeschossige Bauten, die – fast vollständig aus Holz bestehend – dem urbanen Alltag gerecht werden sollen. Bereits ein voller Erfolg ist beispielsweise der Murray Grove Tower in London. Auch in Österreich wird ein ähnliches Projekt mit dem Namen LifeCycleTower verwirklicht. Der Werkstoff Holz vereint dabei, laut der Entwickler, mehrere positive Eigenschaften, die ihn gerade für die Errichtung von Wohnräumen prädestiniert. Zum einen bestehen Vorteile beim Bau selbst. Holz lässt sich einfach zu Fertigelementen verarbeiten, was ein schnelles und effizientes Bauen ermöglicht. Außerdem reduziert sich durch diese Bauweise das Lärm- und Staubaufkommen, was zu einer geringeren Belästigung der Anwohner führt. Auch schafft Holz als natürlicher Rohstoff ein gutes Klima in den Räumen und eignet sich perfekt für die Errichtung von Passiv- oder Plusenergiehäusern.

Die größten Vorteile erweisen sich allerdings dadurch, dass Holz eine nachwachsende Ressource ist. Nicht nur, dass der Rohstoff dadurch quasi unendlich lange zur Verfügung stehen kann, muss für das Wachsen der Bäume im Grunde keine größerer Aufwand betrieben werden. Noch wichtiger ist jedoch die CO2-Speicherfähigkeit des Holzes. Denn stillschweigend vollbringen tagtäglich sämtliche Pflanzen dieses Wunderwerk: Sie benötigen zum Leben und Wachsen Kohlenmonoxid, Licht, Wasser und Nährstoffe und was sie – als schnödes Nebenprodukt – freisetzen, ist reinster Sauerstoff. Doch im Normalfall bleibt der Kohlenstoff nur über die Lebenszeit der Pflanze gebunden. Stirbt sie, gibt sie das CO2 wieder frei. Wird nun, wie bei Bauholz, der Zerfallsprozess durch Verarbeitung und Behandlung gestoppt oder zumindest verlangsamt, so kann das Klimagas sehr lange gebunden werden. So ist es zumindest möglich, durch den gezielten Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen sich Zeit zu kaufen, um die Begrenzung der Klimaerwärmung anzugehen.

Dennoch ist Holz keine Wunderwaffe. Einerseits stehen solchen Bauvorhaben wie oben genannt gerade im deutschsprachigen Raum bürokratische Hürden, was den Brandschutz anbelangt. So konnte ein Vorläuferbau des LifeCycleTowers nur mit Sondergenehmigung errichtet werden. Allerdings wird dem Projekt in London ein den Standards entsprechender Brandschutz attestiert. Zum Teil ergeben sich im Ernstfall sogar Vorteile bezügliche der Stabilität im Vergleich zu Stahlbeton. Für den großflächigen Einsatz von Holz als primärer Baustoff stellt sich auch die Frage, welche sich bei sämtlichen Verwendungsweisen und bei allen nachwachsenden Ressourcen stellt: Bis zu welchem Grad lässt sich der Rohstoffhunger moderner Gesellschaften mit nachhaltigem An- und Abbau der Rohstoffe vereinbaren? Denn Nachhaltigkeit muss der höchste Maßstab sein, wenn wir die Klimakatastrophe ernsthaft abwenden wollen, ohne zugleich die nächste Katastrophe zu kreieren.

So gesehen ist der Traum einer absoluten Symbiose von Mensch und Natur auch in den Städten sicherlich noch sehr sehr weit entfernt. Aber ist es nicht verlockend, sich solche Lebensräume im wahrsten Sinne des Wortes vorzustellen? Wie wäre es beispielsweise mit Häusern aus lebenden Bäumen und Pflanzen? Echte Baumhäuser also. ;-)

Interessante Links:
http://www.3sat.de/page/?source=/dokumentationen/155279/index.html

Klicke, um auf CREE_Standard_deutsch.pdf zuzugreifen

http://www.proholz.at/zuschnitt/33/stadthaus-london.htm

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