Triumph mit begrenzter Haltbarkeit

Über alle Kanäle konnte man in den vergangenen Tagen hören und sehen, dass und unter welchen Umständen Osama bin Ladin ums Leben gekommen sein soll. Das Problem dabei: Bisher bewegen sich all diese Berichte im Feld der Vermutungen, denn außer den Aussagen der US-Regierung gibt es keine öffentlich zugänglichen Belege und jene, die es gab, wurden vernichtet oder werden aus zum Teil nachvollziehbaren Gründen zurückgehalten.

Man mag den Medienberichten glauben oder nicht, es scheint weniger denn je eine Rolle zu spielen. Wer seine Meinung hat, wird in der Medienwelt genügend Futter dafür finden, egal wie sie aussieht. Das liegt vor allem daran, welche Informationen von offizieller Seite bekannt gegeben werden und dass sich darin offensichtlich Ungereimtheiten finden lassen. Mal wieder. Es scheint besonders bei US-Regierungsbehörden keine Ausnahme zu sein, nicht immer absolut bei der Wahrheit zu bleiben. Selbst wenn berechtigte Zweifel und begründete Fragen bestehen, deren aufrichtige Beantwortung essentiell für die richtige Bewertung des Weltgeschehens sind, versuchen seit je her die Regierungen der USA immer wieder an den Antworten vorbei zu tauchen oder eiskalt weiter zu lügen. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal der USA, doch dort besonders augenfällig.

Auch der aktuelle Fall um den Tod des wohl meistgesuchten Mannes der Welt offenbart diese Neigung. Kaum war die Meldung um die Welt gegangen, da schien die US-Regierung bereits zu Teilen in Erklärungsnöten zu stecken. Zwar feiern viele Amerikaner nun den Präsidenten, der zuvor noch wegen der Durchsetzung vieler seiner Versprechungen, immer unter dem Motto „Change“, viel Kritik einstecken musste, ausgerechnet für die Erfüllung einer Aufgabe, die er von Bush übernommen hatte. Dies ist durchaus verständlich. Kein Land wurde durch 9/11 mit größerem emotionalem Erbe belastet als die USA. Nirgendwo wurde daraufhin wohl mehr Angst geschürt gegen islamistischen Terror als in den Vereinigten Staaten. Niemand verknüpfte die Bekämpfung des Terrors so sehr mit einer Sache: Die Suche nach Usāma ibn Muhammad ibn Awad ibn Lādin. Sein Tod – eine Erleichterung für die Gemüter einer Nation. Doch es kann sein, dass Obama und die USA ihren Triumph auf lange Sicht verspielen.

Wenn es den USA darum gegangen sein sollte, ein möglichst großes Dickicht an Gerüchten zu pflanzen, hinter denen sich die Wahrheit im Dornröschenturm verstecken kann, dann ist dies wieder einmal vortrefflich gelungen und Medien weltweit helfen teilweise fleißig mit, indem sie die Saat auf dem bestellten Acker verteilen. Allerdings birgt dieses Versteckspiel auch eine Gegenseite: Wer nur über die Hecke spickeln kann, der fängt an, sich aus den Informationen, die er erhascht, seine eigene Wahrheit zu basteln. Auch dabei helfen einige Medienmacher kräftig und gerne. Ob das wirklich im Sinne Obamas sein kann, ist fraglich. Immerhin war er es ihm gelungen, gerade am Anfang seiner Amtszeit ein anderes Bild der USA zu prägen und Möglichkeiten für einen Dialog zu geschaffen, wo er vor nicht denkbar war. Auch mit der arabischen Welt. Mit einer Tötungsaktion, wie die gegen den Chef des vermutlich weitreichendsten Netzwerks organisierten Terrors heutiger Zeit, und dem großen Potential an Spekulationen, die damit zugleich verbunden sind, setzt die US-Regierung dieses Vertrauen möglicherweise aufs Spiel.

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